Sonntag, 1. Mai 2011

Rezension: "Scherbenmond" von Bettina Belitz

Produktinformationen:
Originaltitel: -
Autor: Bettina Belitz
Verlag: Script5 Verlag
Serie: Splitterherz Trilogie (Band 2)
Format: gebunden mit Schutzumschlag
Seiten: 688 Seiten
ISBN: 978-3-8390-0122-6
Preis: 19,95€ [D], 20,60€ [A]

Cover © Script5

Dies ist Band 2 der Splitterherz Trilogie und die Rezension könnte somit wahrscheinlich Spoiler enthalten.
Meine Rezension zu Band 1 gibt es HIER.


Website zum Buch:
http://www.scherbenmond.com/

Inhalt:
Nach den Ereignissen im Sommer hat sich für Ellie Sturm alles verändert. Ihre große Liebe Colin ist auf der Flucht vor der Nachtmahrin Tessa, ihr bester Freund Tillmann hat die Schule geschmissen und ihr Vater ist irgendwo in Italien verschollen.
In einem Brief bittet er Ellie ihren Bruder Paul zurückzuholen, was sie sich natürlich nicht zweimal sagen lässt.

Froh, endlich all den Erinnerungen entfliehen zu können, die sie zu Hause quälen, macht sie sich auf den Weg nach Hamburg und zieht kurzerhand bei Paul ein.
Doch Ellie erkennt ihren Bruder kaum wieder. Seine Persönlichkeit hat sich um hundertachtzig Grad gewendet und dann hat er auch noch sein Medizinstudium geschmissen, obwohl dies seit jeher seine größte Leidenschaft war.

Ellie weiß, dass dies nur eines bedeuten kann: Paul wurde von einem Nachtmahr befallen. Sie beschließt alles dafür zu tun, ihn zu retten und bekommt dabei ungeahnte Hilfe von Tillmann. Beiden ist klar, dass sie Colin finden und um Hilfe bitten müssen, wenn sie Pauls Nachtmahr loswerden wollen. Doch Colin hat seine eigenen Methoden mit der Situation umzugehen und droht dabei nicht nur Ellies Herz zu brechen, sondern ihr ganzes Leben zu zerstören ...


Backround Infos:
„Scherbenmond“ ist der zweite Teil der Splitterherz Trilogie von Bettina Belitz. Der dritte Teil „Dornenkuss“ wird im November 2011 erscheinen.


Meine Meinung:
Kurz und knapp würde ich das Buch als sehr intensiv beschreiben. In jeglicher Hinsicht.
Egal ob es um Gefühle geht, oder Gefahrensituationen und Liebesszenen, alles wird mit einer solchen Intensität geschildert, das ist absoluter Wahnsinn.

Es ist mir ein Rätsel wie die Autorin dies anstellt, aber ich tippe ganz stark auf ihren Schreibstil, der wie schon in „Splitterherz“ auch in „Scherbenmond“ einen einzigartigen und herausragenden Charakter hat. Natürlich ist dieser an Ellies Art angepasst, da die Geschichte schließlich von ihr erzählt wird. Aber schon nach wenigen Zeilen ist man einfach so vertieft in die Geschichte, dass man das Gefühl hat, all die Geschehnisse selbst zu erleben. Dies ist Kopfkino auf höchstem Niveau (mit dem Ellie sich übrigens bestens auskennt).

Was die Handlung betrifft, bin ich insgesamt wieder vollends zufrieden. Die Geschichte ist gut ausgearbeitet und man merkt, dass die Autorin sich Gedanken über Details gemacht hat, die die Story schlichtweg vollenden.
Dennoch gibt es eine ganz bestimmte Sache, die mich dazu bringt, zu sagen, dass dieses Buch das Außergewöhnlichste und nahezu Beste ist, was ich je gelesen habe.
Wenn man diese Geschichte liest, erfährt man sehr viel, indem man zwischen den Zeilen liest. Situationen, die beim ersten Lesen vielleicht etwas merkwürdig anmuten, bekommen eine ganz andere Bedeutung wenn man versteht, wieso gewisse Dinge passieren.

Ein besonderes Beispiel ist die Liebesszene von Colin und Ellie, die von einigen Bloggern stark kritisiert wurde. Ich gebe zu, beim ersten Lesen hab ich auch gedacht „Hä? Nicht im Ernst, oder?“. Aber ich konnte mich mit diesem Urteil einfach nicht zufriedengeben, weil ich genau weiß, dass die Autorin garantiert ihren Grund hatte, gewisse Dinge so zu schreiben, wie sie es getan hat und die Szene so zu gestalten, wie sie letzten Endes auf dem Papier gelandet ist.

Also habe ich beim Weiterlesen verschärft darauf geachtet, Entwicklungen und generelle Gedanken von Ellie ein wenig zu interpretieren und nebenbei mit der Liebesszene in Zusammenhang zu bringen.
Gut, die Ausdrucksweise ist ganz einfach auf Ellies Art zurückzuführen, auch wenn diese in einem solchen Moment total fehl am Platz wirkt. Doch darum ging es schließlich in dieser Szene. Ellie sollte hundert Prozent sie selbst sein. Das war nicht nur eine „Vollendung“ ihrer Beziehung, wie Colin es nennt, sondern auch eine Vollendung von Ellies Weg zurück zu sich selbst.
Letzten Endes hat die Szene fast schon einen epischen Charakter. Es geht einfach darum, dass Colin und Ellie nicht nur ein besseres Verständnis für einander, sondern auch für sich selber entwickelt haben.

So, nun aber wieder zurück zur Handlung. Die Geschichte beginnt mit der Gewissheit, dass Ellies Vater verschwunden ist und als Leser weiß man darüber genauso wenig darüber wie Ellie. Alles was man tun kann, ist spekulieren und umso rätselhafter wird es, als Ellie einen Brief findet, in dem ihr Vater sie darum bittet, Paul zurückzuholen. Leo (Ellies Vater) wusste also, dass er von seiner neuesten Nachtmahr Mission nicht zurückkehren wird und wieder steht das große Fragezeichen im Raum, was denn nun mit ihm geschehen ist.
Somit hat man bereits am Anfang wieder pure Spannung, wie man sie bereits aus „Splitterherz“ kennt.

Ellie hat in diesem Buch besonders mit sich selber einige Dinge zu klären. Anfangs hab ich mich total gewundert, wieso sie kaum Gefühlsregungen zeigt, obwohl sie mit der Ungewissheit leben muss, wann sie ihre große Liebe jemals wiedersehen wird. Stattdessen benimmt sie sich gewohnt quirlig und erzählt die Geschichte auf ihre gewohnt humorvolle Art.
Da man Ellie jedoch bereits in „Splitterherz“ sehr gut kennengelernt hat, kann man sich ungefähr denken, wieso sie sich so verhält, besonders, wenn man mal darüber nachdenkt, wieso sie andauernd versucht eine Aufgabe für sich selbst zu finden (z.B. sich um Albinomolche oder um Giftspinnchen Berta zu kümmern...). Ellie verdrängt alles Negative. Dies wurde mir unter anderem klar, als die ständigen Träume von Grischa (ihrem Ex Schwarm) anfingen. Sie verdrängt alles, was sie verletzen könnte, aber natürlich kommen auch solche Sachen früher oder später wieder an die Oberfläche.

Das Schlimme daran ist, dass Colin dies offenbar genau weiß und sich das in diesem Band auf eine Art zu Nutze macht, für die man ihm die Krätze an den Hals wünscht. Das hat sogar mir als Leser fast das Herz gebrochen, weil man genau wie Ellie irgendwann einfach nicht mehr versteht, was vor sich geht und wer Colin eigentlich ist.
Auch an dieser Stelle wieder ein Lob an die Autorin. Es hat noch kein Buch bisher geschafft, mich emotional so zu ergreifen wie „Splitterherz“ und „Scherbenmond“ es getan haben.

In „Scherbenmond“ erfährt man zum ersten Mal, wie gefährlich das Spiel mit den Träumen eigentlich ist und die Autorin hat teilweise Szenen fabriziert, bei denen ich fürchterliche Gänsehaut bekommen habe. Wer also glaubt, dass Vampire die personifizierte Hölle sind, der liegt falsch. Die Nachtmahre haben hiermit den Olymp der Schreckensgestalten erklommen und sich den Herrscherthron erbeutet.

Besonders gefreut habe ich mich, als Tillmann aufgetaucht ist, und eine größere Rolle in diesem Buch bekommen hat. Er ist einfach ein so toller und vielschichtiger Charakter und macht grundsätzlich immer genau das, was man so eigentlich nicht von ihm erwartet.
Er versucht Ellie zu helfen, wo er nur kann, besonders als die buchstäbliche Hölle über sie hereinbricht und Colin nicht für sie da ist. Dabei legt auch Tillmann eine erstaunliche Entwicklung hin, nämlich vom Teenager Rebell, hin zu einem jungen Menschen, der Ziele in seinem Leben hat und für die Menschen, die ihm wichtig sind, alles tut.

Die größte Überraschung war allerdings Colin in diesem Buch. Okay, ich gebe zu, dass mir am Ende von „Splitterherz“ klar war, noch längst nicht alles über ihn zu wissen und ihn eigentlich überhaupt nicht zu kennen, allerdings erfährt man in „Scherbenmond“ so viel Neues über ihn und lernt eine ganz andere Seite kennen, sodass ich teilweise einfach nur geschockt war. So manches Mal wurde mir sogar richtig schlecht, besonders wo es langsam richtig Showdown geht und man einfach nur noch von Entsetzen geplagt wird.

Ich hoffe, dass ich es einigermaßen verständlich erklärt habe, wieso ich dieses Buch als „intensiv“ bezeichnen würde. Ich finde dieses Wort beschreibt es einfach am Besten.

Allerdings graut es mir jetzt ein wenig vor dem dritten Band der Trilogie, da sich in „Scherbenmond“ ein paar unschöne Andeutungen befinden. Ich bete inständig, dass Colin den dritten Band überleben wird und dass Ellie einfach mal nicht das tut, was er von ihr verlangt. Die Beiden haben einfach ein Happy-End verdient, auch wenn ich (leider) hoffe, dass wenigstens einer der anderen Hauptcharaktere geopfert wird, damit das Ende nicht so glatt und Friede-Freude-Eierkuchen mäßig wird, wie es ja leider immer häufiger mit Trilogie Abschlüssen der Fall ist.
Aber ehrlich gesagt, mache ich mir da keine Sorgen. Ich glaube die Autorin hat ein ganz gutes Gespür dafür, was ihre Leser von ihr erwarten.

Fazit:
Irgendetwas tut dieses Buch mit seinen Lesern. Irgendetwas, was ich so noch nicht erlebt habe. Es ergreift, bewegt und fesselt den Leser und lässt ihn nicht mehr los, auch nicht, wenn man das Buch zugeklappt hat. Die Charaktere sind mehr als einfach nur tiefgründig. Ich würde fast sagen, dass sie eine Seele haben, die man als Leser spüren kann.
Dieses Buch hat einfach genau das, was Twilight fehlt um die breite Masse zu begeistern und nicht nur Teenies. Jeder, absolut jeder, wird in „Splitterherz“ und „Scherbenmond“ etwas finden, dass ihn an diese Bücher fesselt.
Zu sagen, dass Bettina Belitz die deutsche Stephenie Meyer ist, wäre maßlos untertrieben.


Ein herzliches Dankeschön für das Rezensionsexemplar geht an
Script5

Kommentare:

  1. Eine schöne Rezi, man merkt, dass dir das Buch sehr am Herzen liegt :-) Ich weiß gar nicht mehr warum ich nicht so begeistert wie alle anderen vom ersten Band war. Ich fand ihn echt gut, aber nicht so überragend wie die meisten anderen Leser. Vielleicht sollte ich es einfach nochmal lesen und mir dann den Nachfolger vornehmen. Liebe Grüße

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  2. Eine super schöne Rezi! Ich finde, es gibt ein paar Bücher, die gehen einem so stark unter die Haut, ohne daß man näher beschreiben könnte, warum das so ist. Und es ist so verdammt schwer, diese Bücher zu empfehlen, weil es einfach eine Empfindung ist. Und das ist so schade, ich wünschte, ich könnte noch mehr dazu bringen, die Bücher zu lesen, ich finde, sie verpassen einfach etwas. Das gleiche war es mit dem Märchenerzähler finde ich. Es ist wirklich eine riesige Lücke, wenn man es nicht kennt, ohne daß man sagen könnte warum ... :)

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  3. Liebe Fabella,

    da sprichst du mir wirklich aus der Seele. Meistens fehlen mir einfach die Worte, die dem Buch gerecht werden würden. Dennoch versuche ich mir immer einen Weg auszudenken, irgendwie zu beschreiben, was an dem Buch so toll ist, auch wenn das nicht immer einfach ist =)

    LG
    Lisa Rose

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