Sonntag, 9. Oktober 2011

Rezension: "Das Mädchen mit dem Stahlkorsett" von Kady Cross

Produktinformationen:
Originaltitel: The Girl in the Steel Corset
Autor: Kady Cross
Verlag: Heyne Fliegt
Serie: Finley Jayne (Band 1)
Format: gebunden mit Schutzumschlag
Seiten: 368 Seiten
ISBN: 978-3-453-26740-4
Preis: € 14,99 [D], € 15,50 [A]

Cover © Heyne Fliegt

Inhalt:
Finley Jayne ist alles andere als ein gewöhnliches Mädchen. Nachdem sie bereits drei Jobs als Hausmädchen aufgrund ihres Temperaments verloren hat, wird auch ihr letzter Job zu einem Disaster. Als Finley überstürzt versucht zu fliehen, läuft sie Griffin, dem Herzog von Greythorne, und seinem Freund Sam über den Weg.

Fasziniert von Finleys Wesen bietet Griffin ihr eine Unterkunft in seinem Anwesen. Dort lernt Finley das hochintelligente Hausmädchen Emily kennen und erfährt, dass sie nicht die einzige mit erstaunlichen Kräften ist. Während sie von einer temperamentvollen zweiten Persönlichkeit geplagt wird, kann Griffin den Äther manipulieren und Emily kann mit Maschinen kommunizieren.

Als dann herauskommt, dass ein Krimineller sein Unwesen in der Stadt treibt und Automaten manipuliert um Menschen anzugreifen, gehen Finley und ihre neuen Freunde der Sache auf den Grund. Doch als sie herausfinden, was der Kriminelle im Schilde führt, wird ihnen klar, dass mehr auf dem Spiel steht als ein paar Menschleben, denn das gesamte britische Empire und die Monarchie an sich ist in höchster Gefahr …


Backround Infos:
„Das Mädchen mit dem Stahlkorsett“ ist der Auftakt zu einer Steampunk Jugendbuchserie. Die Fortsetzung wird im Original den Titel „The Girl in the Clockwork Collar“ tragen.


Rezension:
Der Titel „Das Mädchen mit dem Stahlkorsett“ lässt bereits vermuten, dass es sich bei der Geschichte um Steampunk handelt. Umso enttäuschter war ich jedoch, dass man von dem typischen Steampunk Feeling nicht wirklich etwas gemerkt hat. Zwar gibt es in der Geschichte die klassischen Bestandteile dieses Genres, aber rein atmosphärisch ähnelt die Geschichte eher einer moderneren Story.
Von Steampunk erwarte ich eigentlich, dass man das viktorianische London in Verknüpfung mit den innovativen technischen Bestandteilen direkt vor sich sieht und genau dies auch emotional nachvollziehen kann. In diesem Buch ist die Atmosphäre aber eher zweitrangig, oder zumindest hatte ich beim Lesen das Gefühl, denn im Vordergrund stand ganz eindeutig das Mysterium um den ominösen Kriminellen und natürlich das unentbehrliche Liebesdreieck. Dazu später noch mehr.

Was mir am Anfang jedoch positiv aufgefallen ist, ist der Schreibstil. Dieser erscheint zum einen zwar anspruchsvoll und ab und zu auch ein wenig der altertümlichen Zeit angepasst. Jedoch bekommt auch jeder Charakter seine eigene Redensweise, wodurch das jeweilige Wesen der Protagonisten verbildlicht wird. Während Finley stets ein wenig frech aber dennoch in einem gemäßigtem Ton zu reden flegt, hat Griffin eine eher gehobene Art zu sprechen, ganz seinem Stande entsprechend. Ein ganz besonderes Beispiel ist jedoch Finleys Unterwelt Kontakt Jack Dandy. Diesen lernt Finley bei ihren Nachforschungen in den kriminellen Gegenden von London kennen und wie es sich für einen ordentlichen Bad Boy gehört, hat er ein eher lockeres Mundwerk, gepaart mit dem ein oder anderen verführerischem Satz, der Finley ordentlich das Herz flattern lässt.

Um den Standpunkt eines jeden Protagonisten zu verstehen, ist das Buch aus drei verschiedenen Perspektiven geschrieben. Zum einen die von Finley, dann die von Griffin und die von Sam. Während die Perspektive von Sam vermeintlich eher unspektakulär wirkt, ist es besonders die Sicht von Griffin, die mich als Leser am meisten beeindruckt hat. Zwar wirkt er immer sehr gefasst und gehoben, doch wenn man ihn alleine erlebt, bekommt auch seine emotionale Seite zu sehen, die teilweise recht unerwartete Dinge zum Vorschein bringt.

Dazu muss ich sagen, dass die romantisch angehauchten Szenen sehr gut funktionieren. Sowohl zwischen Griffin und Finley, als und zwischen ihr und Jack herrscht eine unglaublich gute Chemie, die man als Leser sehr gut spüren kann und die gemeinsame Szene somit authentisch und nachvollziehbar machen. Das ganze Liebesdreieck ist jedoch ein einziges hin und her, ohne dass ein genauer Ausgang absehbar ist. Es bleibt also spannend für wen Finley sich irgendwann entscheiden wird, auch wenn es meisten immer der nette Kerl ist, der das Mädchen bekommt.

Das Rätsel um den mysteriösen Kriminellen, der die Unterwelt von London erschüttert, scheint auf der einen Seite zwar unlösbar und als Leser hat man einfach keine Ahnung wer dafür in Betracht kommen könnte. Zwar könnte beim Leser der ein oder andere Verdacht aufkommen, aber eines kann ich versprechen, auf die Lösung kommt man nicht. Es ist von der Autorin ziemlich clever gelöst, das es einen Person ist, die man irgendwann einfach nicht mehr auf dem Plan hat.

Finley selbst ist als Protagonistin recht interessant, da sie mit einer gespaltenen Persönlichkeit zu kämpfen hat. Schuld daran ist eine Entdeckung, die eine Forschungsgruppe am Mittelpunkt der Erde gemacht hat. Dabei handelt es sich um eine Substanz die in Verbindung mit einem bestimmten Erz ungewöhnliche Wirkungen auf Menschen haben.
Besonders gut daran ist einfach, dass Finley so nicht zu den wehrlosen Mädchen gehört, die andauernd gerettet werden müssen (mal ausgenommen, dass sie andauernd vor sich selbst gerettet werden muss). Das Mädchen hat ordentlich Feuer und zeigt den Jungs öfters mal wo es lang geht. Dennoch hat auch sie ihre Schwachstellen. Unter anderem hat sie enorme Selbstzweifel und fragt sich andauernd, wie Griffin und die andern mit ihre befreundet sein können oder ob sie sich dies alles nur einbildet.

Griffin hingegen ist das absolute Gegenteil von ihr, ergänzt sie aber wiederrum somit perfekt. Ebenfalls erwähnenswert sind aber auch die Nebencharaktere, die die Geschichte sehr bereichern und immer wieder für Abwechslung, aber auch für Überraschungen sorgen.

Das Ende ist gleichzeitig der Auftakt zu einem neuen Abenteuer, welches jedoch nicht in London, sondern in Amerika spielen wird. Man darf also gespannt sein, wie Steampunk in Amerika funktionieren wird.

Fazit:
Insgesamt hat mich die Geschichte gut unterhalten. Die Geschichte an sich hat zwar ab und zu ein paar Durststrecken, hat im Großen und Ganzen aber durchaus einen gewissen Unterhaltungswert. Es ist ein wenig schade, dass das typische Steampunkfeeling leider nicht rüberkommt, da dieses das Buch doch um einiges bereichert hätte. Alles richtig gemacht hat die Autorin hingegen mit den Charakteren die besonders durch ihre Vielseitigkeit und die liebevolle Art überzeugen.

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