Sonntag, 26. Februar 2012

Rezension: "Godspeed - Die Reise beginnt" von Beth Revis

Produktinformationen: 
Originaltitel: Across the Universe
Autor: Beth Revis
Verlag: Dressler Verlag
Serie: Godspeed Serie (Band 1)
Format: gebunden mit Schutzumschlag
Seiten: 448 Seiten
ISBN: 379-151-676-0
Preis: 19,95€ [D]

 Cover © Dressler

Inhalt:
Die siebzehnjährige Amy und ihre Eltern sind unter den ausgewählten Menschen, die an dem Projekt Arche teilnehmen. Sie lassen sich einfrieren um als Fracht auf ein Raumschiff gebracht zu werden und 500 Jahre in der Zukunft auf einer neuen Erde zu erwachen. Doch Amy wird 50 Jahre zu früh wiedererweckt und findet sich auf der Godspeed wieder, einem riesigen Raumschiff, das unter der Herrschaft des Ältesten steht. Dort findet Amy einen Vertrauten in dem zukünftigen Herrscher Junior, der sie als einziger in der monoethischen Gesellschaft des Schiffes nicht ablehnt. Als weitere der eingefrorenen Passagiere frühzeitig aufgetaut werden und bei dem Vorgang sterben, muss Amy sich jedoch fragen, wem auf dem Schiff die überhaupt vertrauen kann und wer ihr und den Anderen Menschen nach dem Leben trachtet …

 Backround Infos:
„Godspeed – Die Reise beginnt“ ist der Auftakt einer Sci Fi Trilogie der amerikanischen Debütautorin Beth Revis. Der zweite Band, welcher im Original den Titel „A Million Suns“ trägt, ist bereits erschienen. Ein deutscher Erscheinungstermin ist noch nicht bekannt.

Rezension:
Bereits im Vorfeld hatte ich sehr sehr viele positive Meinungen über dieses Buch gelesen. Ich selbst war allerdings ein wenig skeptisch. Mit Science Fiction herumzuexperimentieren ist immer ein wenig heikel und ich hatte die Befürchtung, dass es sich einfach nicht mit den Jungendbuch Genre verträgt.

Als ich dann jedoch das Buch gelesen habe, wurde ich eines Besseren belehrt. Klar gab es auch die einen oder anderen typischen Jugendbuchschwachstellen, aber dazu später mehr. Was mir zunächst positiv aufgefallen ist, ist der sehr anschauliche Schreibstil. Was auch immer die Autorin dem Leser näher bringen will, durch ihren Schreibstil schafft sie es, dass man jede Handlung und jeden Gedanken zu hundert Prozent nachvollziehen kann. Ein Beispiel dafür ist gleich die Anfangsszene, in der Amy und ihre Familie dem Gefrierprozess unterzogen werden. Die Ängste die Amy begleiten und das Gefühl, während sie eingefroren wird sind so authentisch geschildert, dass man glaubt, ein Teil der Geschichte zu sein.

Der restliche Teil der Geschichte spielt sich dann auch schon direkt auf der Godspeed ab, dem Raumschiff, das die eingefrorenen Passagiere zu der neuen Erde bringen soll. Dort lernt der Leser Junior und den Ältesten kennen. Der Älteste ist derjenige, der das Schiff kontrolliert und die dort lebenden Menschen beherrscht. Junior ist quasi sein Auszubildender und Nachfolger. Die Godspeed selbst beherbergt eine ganze Stadt in der eine monoethische Bevölkerung lebt, die das Schiff am Laufen hält. Dies ist wiederum ein sehr interessanter Teil des Buches, da besonders das Verhalten und die Denkweise der Menschen bezüglich Andersartigkeit recht radikal ist. Die Autorin versucht also unterschwellig auch ein wenig Kritik am Rassismus zu üben und auf die damit einhergehenden gesellschaftlichen Probleme aufmerksam zu machen. 

Das Buch spielt also ein wenig mit den Ängsten die man selbst vor der Zukunft hat. Dies beinhaltet unter anderem auch Genmanipulation, die später in der Geschichte auch eine wichtige Rolle spielt.

Ein Schwachpunkt im Buch stellt jedoch die Romanze zwischen den Protagonisten Junior und Amy dar. Wie in fast jedem anderen Jugendbuch auch, handelt es sich hierbei um Liebe auf den ersten Blick, wenn auch sehr einseitig. Junior ist total fasziniert von Amys Andersartigkeit. Anders als die Bevölkerung der Godspeed hat Amy rote Haare und ist extrem blass. Dies scheint den Jungen wie magisch anzuziehen. Außerdem entwickelt er sehr schnell den Drang sie vor Alles und Jedem beschützen zu wollen und ihr so nahe wie möglich zu sein. Sollte er stattdessen aber nicht eher erschrocken sein von ihrem Aussehen? Schließlich wurde ihm sein ganzes Leben lang eingetrichtert, dass jegliche Andersartigkeit eine Gefahr für den allgemeinen Frieden darstellt. Für ein Jugendbuch ist die Vorstellung aber selbstverständlich romantischer, dass der Protagonist sich in die komplett andersartige Protagonistin verliebt. Andersherum wäre es jedoch verständlich wenn Amy sich in Junior verlieben würde. Er ist der Einzige, der sich ihr gegenüber einigermaßen normale und zuvorkommend verhält. Von allen Anderen wird sie konstant abgelehnt und gemieden.

Was Amy an sich angeht, bin ich recht geteilter Meinung. Es gab Stellen an denen sie mir wirklich leid tat, weil sie ihre Eltern vermisst (die immernoch eingefroren sind) und sehr einsam ist. Andererseits wird es doch recht anstrengend, wenn sie andauernd am jammern ist. Wenn sie nicht gerade ihren Exfreund vermisst, vermisst sie ihren Vater. An dieser Stelle habe ich mich öfters gefragt, was denn mit ihrer Mutter ist, zu der sie eigentlich ein sehr gutes Verhältnis hatte, aber über sie denkt sie recht wenig nach dafür.

Da das Buch abwechselnd aus Amys und Juniors Sicht geschrieben ist, bekommt man auch recht viel von Juniors Sichtweise mit. Junior wirkt teilweise wie ein rebellischer Teenager, der am Liebesten alles machen würde, nur nicht das, was der Älteste ihm vorgibt. Er selbst fühlt sich viel zu jung, um eines Tages das Schiff anzuführen und den Platz des Ältesten einzunehmen. Und was soll ich sagen ... ja er hat recht. Junior hat keine Führungsqualitäten. Er ist viel zu naiv und impulsiv. Er handelt viel zu sehr aus dem Bauch heraus und denkt nicht daran, was seine Handlungen bewirken könnten.

Ebenfalls erwähnenswert sind die Nebencharaktere, die man alle nicht so recht durchschauen kann und die allesamt einen mysteriösen Nachgeschmack hinterlassen. Durch den Ältesten hat man mit vielen Lügen zu tun, die dazu dienen, den Gehorsam der Bevölkerung zu sichern und keine Rebellion zu riskieren.

Fazit: 
Auch wenn die Geschichte einige Schwachstellen aufweist, ist doch keine einzige Seite langweilig. Abgesehen davon, dass mich ein paar Dinge gestört haben, wurde ich doch gut unterhalten. Dabei haben mich besonders die nachdenklichen Themen wie Ethik und das Problem mit den Genen beschäftigt. Ich denke die Autorin hat einen guten Debütroman vorgelegt, an dessen Schwachstellen man arbeiten kann und die im Folgeband dann hoffentlich nicht mehr vorkommen. Besonders nach dem recht abgeschlossen wirkenden Ende bin ich doch recht gespannt, was die Autorin sich für das nächste Buch überlegt hat.

Kommentare:

  1. ich habe das buch gleich nach erscheinen gelesen. fand es ebenfalls gut, hat einige kleine schwachstellen, aber die story an sich ist sehr gut und ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht!

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  2. Inzwischen ist ja auch der zweite Band erschienen. Ich finde er ist noch packender geschrieben als der erste Teil. (Und es soll ja eine Triologie werden).
    Herzliche Grüße von
    Moni
    buum.info

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