Mittwoch, 22. August 2012

Rezension: "Totentöchter - Die Dritte Generation" von Lauren DeStefano

Cover © cbt
Produktinformationen:
Originaltitel: Wither
Autor: Lauren DeStefano
Verlag: cbt Verlag
Serie: Totentöchter (Band 1)
Format: gebunden
Seiten: 400 Seiten
ISBN: 978-3-570-16128-9
Preis: € 16,99 [D], € 17,50 [A]

Inhalt:
In einer Zukunft, in der Krebs heilbar ist und die Menschen als perfekt immunes Individuum geboren werden, sterben die Mädchen mit 20 und die Männer mit 25, denn die Perfektion der Menschheit hat einen Preis. In dieser Zukunft sind Frauen das kostbarste Gut. Denn nur sie können die schrumpfende Bevölkerung vor dem Aussterben bewahren. Mädchen werden von Sammlern entführt und die Schönen unter ihnen werden als Bräute an wohlhabende Männer verkauft, die anderen getötet oder ins Rotlichtviertel abgeschoben.

So ergeht es auch der sechzehnjährigen Rhine. Sie wird an den Hausprinzipial Vaughn verkauft und seinem Sohn Linden als eine von drei Ehefrauen zugeführt. Was für ihre Schwesterfrau Cecily wie der reine Luxus erscheint ist für Rhine ein Leben im goldenen Käfig. Doch nur indem sie sich die Zuneigung von Linden erkämpft, bekommt sie die nötigen Freiheiten um der Gefangenschaft zu entfliehen. Nicht mal der attraktive Küchenjunge Gabriel kann ihr das triste Dasein verherrlichen und doch ist er das Einzige, was Rhine anspornt, diesen Ort zu verlassen. Denn zusammen mit ihm wünscht sie sich ein Leben in Freiheit, weitab des goldenen Käfigs …



Backround Infos:
„Totentöchter – Die dritte Generation“ ist der erste Band einer Dystopie Trilogie von Debütautorin Lauren DeStefano. Die Fortsetzung „Fever“ ist bereits auf Englisch erschienen. Der dritte Band „Sever“ wird im Februar 2013 erscheinen.

Rezension:
Ich wünschte mein Wortschatz wäre auch nur annähernd umfangreich genug um zu beschreiben, wie mich dieses Buch fasziniert hat. Und Faszination ist wirklich das richtige Wort. Ich meine es gibt Bücher die sind unterhaltsam, es gibt Bücher die sind einfach spannend und es gibt Bücher die sind von der Idee her so einzigartig und besonders, dass sie den Leser schlicht und ergreifend faszinieren. Dies ist der Fall mit Lauren DeStefanos Jugendromandebüt.

Das Buch spielt in einer hochentwickelten Zukunft in der nahezu alle Krankheiten heilbar sind und die Schere zwischen Arm und Reich bis zum Anschlag geöffnet ist. Als siebzig Jahre zuvor Designer Babys entwickelt wurden und das Heilmittel für Krebs gefunden wurde, haben die Menschen eine Art Gen Defekt bekommen, wodurch die Mädchen der neuen Generationen mit 20 Jahren und die Männer mit 25 Jahren sterben. Außer Amerika ist nicht mehr viel von der Welt übrig geblieben, bzw das ist der weitverbreitete Glaube da wo Rhine herkommt. Leider erfährt man diesbezüglich nicht allzu viel, dabei wäre dies noch ein Punkt der besonders interessant wäre. Was wäre zum Beispiel wenn die Menschen in Europa noch nicht den Gen Defekt hätten und die Regierung dies zum Beispiel nur verschweigt? Die Möglichkeiten für Spekulationen sind unbegrenzt. Dass man sich als Leser über so etwas Gedanken macht spricht eindeutig für das Buch, denn das bedeutet, dass der Leser sich für die Geschichte und die Charaktere interessiert und sich mit diesen identifizieren kann. Und dies hat das Lauren DeStefano mit ihrem Buch definitiv geschafft.

Dies ist also die Welt in der Rhine Ellery aufwächst. Bevor sie von Sammlern verschleppt wird, hat sie mit ihrem Zwillingsbruder in den Armenvierteln von Manhattan gelebt. Mit ihm verbindet sie etwas ganz Besonderes, da ihre Eltern früh gestorben sind und die Beiden somit nur sich hatten und aufeinander aufpassen mussten. Als Rhine also an den Hausprinzipal Vaughn verkauft wird und zu einer von Lindens Ehefrauen wird, ist ihr erster Gedanke zu fliehen. Denn irgendjemand muss sich ja um ihren Bruder kümmern. Dies ist auch etwas, was die Autorin konstant durch den ganzen Roman hinweg nie außer Acht lässt: die Beziehung zwischen Rhine und ihrem Bruder. Er ist Rhines Ansporn dem scheinbaren perfekten Leben an Lindens zu entfliehen, denn nur bei ihm ist die glücklich, auch wenn sie ein bescheidenes und gefährliches Leben führen. Doch wenn man an die kurze Lebensspanne denkt, die Rhine nur hat, ist es nur verständlich, dass sie die letzten Jahre ihres Lebens mit jemandem verbringen möchte den sie liebt.

Anders als die anderen beiden Frauen Cecily und Jenna kann sie sich nicht allzu schnell mit ihrer neuen Situation abfinden. Cecily sieht ihrem neuen Leben mit Luxus und Glamour in der reichen Familie von Linden mit Freude entgegen. Sie ist gerade erst vierzehn und macht den anderen Anwesenden nur zu gerne das Leben schwer. Dadurch dass die Autorin die einzelnen Frauen so unterschiedlich konzipiert hat vom Charakter her, ist man sehr schnell an den einzelnen Protagonistinnen interessiert und vor allem an dessen Wandlungen um Laufe der Geschichte. Denn wenn diese Geschichte genug von etwas hat, dann sind es Wandlungen im Geschehen. Jedes einzelne Geschehnis hat auf jeden der Charaktere seine ganze eigenen Wirkung und es macht einfach Spaß zu lesen, wie diese sich dadurch entwickeln. Bei vielen Büchern hat man ja das Gefühl dass die Charaktere nicht greifbar sind oder man sich nicht mit ihnen identifizieren kann. Dies ist bei diesem Buch nicht der Fall, denn die handelnden Personen wirken in sich so authentisch und echt, dass man des Öfteren vergisst, dass es sich nur um eine Geschichte handelt.

So kindlich wie sich Cecily verhält, umso verschlossener ist Jenna. Jenna ist die Älteste der drei Frauen und zeigt ihre Ablehnung gegen das neue Leben mit schlichter Schweigsamkeit und Ignoranz. Die Einzige die einen Draht zu ihr findet ist Rhine und in ihr findet sie schnell eine vertrauenswürdige Freundin. Jenna hält zwar nicht viel von Rhines Fluchtplänen, da sie selbst in ihrer Existenz recht hoffnungslos erscheint und in ihrem Leben alles verloren hat, was ihr lieb und teuer war. Doch Jenna ist auch ein extrem kluges Mädchen und so ist sie diejenige die Rhine vor den Machenschaften des Hausprinzipals warnt. Denn dieser versucht fanatisch ein Gegenmittel für den Virus zu finden, der sie alle sterben lässt. Für seine Experimente schreckt er vor keiner grausamen Methode zurück und lernt besonders Rhine bald das Fürchten. Auf fragwürdige Art und Weise macht er den Mädchen klar, wer der Herr im Haus ist und sie alle unter Kontrolle hat. Dabei fällt Rhine auf, dass selbst sein Sohn Linden nur eine Marionette in seinen Händen ist.

Linden selbst wird als Charakter jedoch irgendwann enorm anstrengend. Er ist für einen Mann sehr schwach und wirkt gebrochen, da er am Tag der Hochzeit seiner drei neuen Frauen gerade seine erste Frau Rose verloren hat, die seine große Liebe gewesen ist. Unglücklicherweise erinnert ihn Rhine so stark an sie, dass er sich auf sie fixiert und bei ihr Beistand sucht. Besonders am Anfang ist dies recht befremdlich zu lesen, da die beiden sich überhaupt nicht kennen und er sich dennoch immer wieder bei Rhine ausweint. Doch dies ist eine Sache die Rhine sehr stark auszeichnet und was man als Leser auch sehr schnell an ihr schätzt.
Sie ist extrem offenherzig und denkt von jedem prinzipiell nichts Schlechtes. Es sei denn man tut ihr sowas an wie Vaughn, der sie aus ihrer Familie gerissen hat und sie einsperrt. Selbst die selbstsüchtige Cecily wird von ihr fürsorglich und mit Respekt behandelt, obwohl man ihr als Leser
schon mindestens zehn mal den Hals umgedreht hätte. Auch Linden gegenüber begegnet sie so, obwohl auch er ihr genauso zuwider ist wie Vaughn. Doch sie versteht den Schmerz den Roses Verlust für ihn mit sich bringt und so kümmert sie sich um ihn, was für sie natürlich letzten Endes auch weitreichende Konsequenzen hat.

Eine weitere Sache, die mir an der Geschichte sehr  gut gefallen hat wären die Emotionen, denn diese spielen eine große Rolle. Egal ob positiv oder negativ. Egal ob Verlustgefühle oder Ängste, alles wird so bildlich geschildert, dass man oftmals anfängt, dass selbe wie die Charaktere zu fühlen. Und ich finde dies macht unter anderem ein gutes Buch aus. Ein Leser sollte nicht nur unbeteiligt zuschauen, sondern Teil der Geschichte werden.

Und so spürt man natürlich auch das sich anbahnende Liebesdreieck. Während man bis zu letzt nicht weiß, ob Linden in Rhine nur einen emotionalen Ersatz für Rose sieht, ist zwischen Rhine und dem Hausdiener Gabriel gleich eine gewisse Chemie erkennbar. Ironisch dabei ist allerdings dass ich mir Gabriel eher klein und schmächtig beim Lesen vorgestellt hab, die Autorin ihn jedoch später als groß und kräftig beschreibt. Dies mag aber auch zum großen Teil an seinem sehr sanften Charakter liegen, den man auch als Leser sehr schnell ins Herz schließt.

Die Geschichte hat somit eigentlich alles, was ein gutes Jugendbuch braucht. Eine neue, unwerwechselbare Idee, authentische Hauptcharaktere mit denen man sich identifizieren kann und eine gute Umsetzung mit Spannung und interessanten Wendungen.

Fazit:
„Totentöchter – Die Dritte Generation“ ist endlich mal wieder ein Buch, welches mich so richtig begeistern konnte. Ich war gefesselt von der ersten bis zur letzten Seite und die Charaktere werden mir sicherlich noch eine ganze Zeit im Gedächtnis herumschwirren. Ich hoffe inständig, dass man in der Fortsetzung noch ein wenig mehr über die Vergangenheiten der einzelnen Personen erfährt, da ich einige wirklich ins Herz geschlossen habe. Aber natürlich bleibt es auch spannend, wie es jetzt mit Rhine und den Schicksalen ihrer neuen Freunde weitergeht.

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