Rezension: "Das verborgene Haus" von Maria Ernestam

Produktinformationen:
Originaltitel: Pa andra sidan solen
Autor: Maria Ernestam
Verlag: btb Verlag
Serie: -
Format: Taschenbuch
Seiten: 384 Seiten
ISBN: 9783442743988
Preis: 9,99€ [D]; 10,30€ [A]

Inhalt:
Nach einer schweren Krankheit ihres Mannes Axel, fahren Er, seine Frau Viola, und deren Kinder Linn und Tora zu einem Sommerhaus in Schweden. Ganz in der Nähe befindet sich das Pflegeheim, in dem Axels Mutter untergebracht ist.

Bei einem Besuch im Pflegeheim lernt Viola die 90 jährige Lea kennen, die einst als Missionarin in China tätig war. Die Beiden freunden sich an und die alte Dame erzählt Viola von ihrer Familie und ihrer Vergangenheit. Beeinflusst durch Leas Geschichte beginnt sie langsam ihr eigenes Familienleben und vor allem ihre Ehe mit Axel in Frage zu stellen ...

Backround Infos:
Das Buch wurde von der schwedischen Autorin Maria Ernestam verfasst und trägt im Original den übersetzten Titel „Auf der anderen Seite der Sonne“. Das Buch stand mehrere Wochen auf der skandinavischen Bestsellerliste.

Rezension:
Zu Beginn der Geschichte fahren Viola und ihr Mann Axel mit ihren beiden Töchtern Linn und Tora in ein Sommerhaus am See. Gleich am Anfang merkt man, dass besonders die Stimmung zwischen den Eheleuten gedrückt ist. Auch der Schreibstil ist zunächst gewöhnungsbedürftig, da die Sätze ein wenig abgehackt klingen. Nach einer Weile wechselt der Schreibstil jedoch in eine eher malerische und bildhaftere Ausdrucksweise.

Im weiteren Verlauf erfährt man als Leser, dass sich in der Nähe des Ferienhauses ein Pflegeheim befindet, in dem Axels Mutter Marianne untergebracht ist. Viola und ihr Mann fahren die demente und verwirrt wirkende Frau besuchen, doch besonders für Axel scheint dies eher ein nötiges Übel zu sein. Wie auch alles andere in seinem Leben lehnt er seine verwirrte Mutter ab. Viola, die dies nicht lange mitansehen kann,  entscheidet sich dazu, dass Heim ein wenig zu erkunden und lernt dabei die 90-jährige Lea kennen. Trotz ihres Alter wirkt sie auf den Leser eher wie eine weise 40-jährige, da sie keinerlei alterbedingte Schwächen aufzuweisen scheint.

Lea und Viola freunden sich schnell an, da Viola in der alten Frau die Ruhe findet, die sie bei ihrem Mann nicht bekommt. Lea erzählt ihr von ihrer Zeit als Missionarin in China und von ihrer Familie, was Viola des öfteren zum nachdenken bringt. Generell scheint Viola von Kapitel zu Kapitel nachdenklicher zu werden und ihr momentanes Leben in Frage zu stellen.

Man erfährt, dass Viola sich als junges Mädchen immer nach ihrem Seelenverwandten gesehnt hat, und dass sie glaubte, ihn in Axel gefunden zu haben. Doch heute stellt sie diese Tatsache in Frage, besonders seit Axel unter seiner schweren Krankheit gelitten hat. Er hat sich zunehmend verändert, ist cholerisch und seiner Frau gegenüber herrisch. Und obwohl Viola eine recht kluge Frau zu sein scheint, kommt für sie eine Trennung nicht in Betracht. Wobei dies auf dem Leser eher wie eine verzweifelte Hoffnung erscheint, dass sich alles wieder zum Guten wendet. Denn mit Verstand hat dies nichts zu tun. Dennoch ist Viola eine sehr nachdenkliche Frau und genau deshalb scheinen Leas Geschichten sie auch so sehr zu faszinieren, denn die Familiengeschichte der alten Frau gibt selbst dem Leser an dem ein oder anderen Punkt zu denken.

Als Leser erwischt man sich das ein oder andere Mal wie man sich fragt, wie man selbst wohl an Violas Stelle handeln würde. Vor allem da Axel grundsätzlich so tut als ob alle um ihn herum auf ihn angewiesen wären und er der Held des Tages ist. Dabei ist dies genau umgekehrt der Fall. Axel verhält sich absolut weltfremd und auf den Leser wirkt er einfach nur unsympathisch. Besonders seine teils abwertenden Kommentare gegenüber seiner Frau dürften wohl bei niemandem auf Verständnis stoßen. Umso verständnisloser steht man deshalb Viola gegenüber, die zwar durchaus eine intelligente Frau zu sein scheint aber sich dennoch immer wieder von ihrem Mann als klein und unbedeutend abstempeln lässt. Leider hat mir Violas Bereitschaft, dieses Verhalten einfach so hinzunehmen überhaupt nicht gefallen. Was meine Lesefreude dann allerdings aufrecht erhalten hat, waren die durch Lea beeinflussten nachdenklichen Minuten von Viola. Sehnsüchtige Gedanken und das Streben nach Besserem möchte ich lesen und nicht eine Frau, die sich von ihrem gestörten Ehemann alles gefallen lässt.

Was mit allerdings bis zum Schluss ein Rätsel war, sind die Kurzgeschichten die Viola von Lea erhalten hat, und die als einzelne Kapitel mitten in die Geschichte eingearbeitet sind. Allesamt haben etwas mit Verlust und Einsamkeit zu tun, doch wie man dies nun auf Violas oder Leas Leben beziehen soll, ist und bleibt mir ein Rätsel.

Fazit:
Alles in allem emfpand ich „Das verborgene Haus“ als eine durchaus interessante Geschichte. Ich habe schon lange kein Buch für Erwachsene mehr gelesen, und umso mehr hat mir natürlich die Abwechslung gefallen, dass man es mit einer nachdenklichen erwachsenen Protagonistin zu tun hat.
Leider hat es mir absolut nicht gefallen wie Viola das Verhalten ihres Mannes einfach so hinnimmt ohne zu handeln. Doch umso erfreulicher waren dann die Passagen, die malerisch Violas Gedanken und Sehnsüchte schildern. Wer ein Buch für Zwischendurch mit einem etwas anspruchsvollerem Hintergrund sucht, wird seine Freude an dem Buch haben.

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