Sonntag, 13. Oktober 2013

[Rezension] "Angelfall - Fürchtet euch nicht" von Susan Ee

Produktinformationen: 
Originaltitel: Angelfall
Autor: Susan Ee
Verlag: Heyne Fliegt
Serie: Angelfall (Band 1)
Format: gebunden mit Schutzumschlag
Seiten: 400 Seiten
ISBN: 978-3-453-26892-0
Preis: 12,99€ [D]; 13,40€ [A]


Inhalt:
Nachdem Engel der Apokalypse die moderne Welt zerstört haben, lebt Penryn mit ihrer Mutter und ihrer Schwester Paige auf der Straße. Der täglichen Bedrohung durch gefährliche Banden ausgesetzt, hetzen sie von einem Unterschlupf zum anderen. Doch als Penryn Zeugin wird, wie eine Horde Engel einem Ihresgleichen die Flügel abschlagen und ihn verletzt zurücklassen, überschlagen sich die Ereignisse. Ihre Schwester wird von einem der feindlichen Engel entführt und ihre Mutter ist spurlos verschwunden. Zurück bleibt Penryn, mit dem verletzten Engel Raffe.
Um ihre entführte Schwester zu finden sieht Penryn nur eine Möglichkeit: Sie muss den verletzten Engel retten. Durch einen zweifelhaften Deal gelingt es ihr, Raffe zu überzeugen sie dorthin zu bringen, wo man vermutlich ihre Schwester Paige gefangen hält. Doch die Hilfe eines Engels hat seinen Preis und so erfährt Penryn das wahre Ausmaß der Katastrophe, die die Engel über die Menschheit gebracht haben ...

Backround Infos:
„Angelfall – Fürchtet euch nicht“ ist der Auftakt einer geplanten Trilogie. Der amerikanische Bestseller wurde in 19 Sprachen übersetzt.
Der Erfolg von Susan Ees Roman begann als Selbstpublikation, bis Angelfall es durch Mundpropaganda zum großen Durchbruch geschafft hat.

Rezension:
Die Geschichte verzichtet darauf, den Leser mit einer langgezogenen Einleitung auf das Geschehen vorzubereiten und startet deshalb von vornherein mit einer Portion Aktion. Als Leser lernen wir Penryn, ihre Schwester Paige und ihrer beider Mutter kennen. Seit die Engel der Apokalypse die Städte nahezu zerstört haben, leben die Drei auf der Straße und flüchten sich von einem sicheren Unterschlupf zum nächsten. Auch wenn Paige im Rollstuhl sitzt und Penryns Mutter eine Psychose hat, konnten sie sich stets durchkämpfen. Doch eines Morgens werden Penryn und ihre Familie Zeugen, wie Drei Engel einem Ihresgleichen die Flügel abschlagen und ihn verletzt zurücklassen. Penryn, ihre Schwester und ihre Mutter werden jedoch entdeckt und Paige wird bei einem Fluchtversuch von den Engeln entführt.

Während die Mutter einfach verschwindet, klammert Penryn sich an die letzte Hoffnung, die es gibt um ihre Schwestern lebend zu finden: Sie nimmt sich dem verletzten Engel an, nimmt seine abgeschnittenen Flügel an sich und pflegt ihn gesund. Im Laufe der Zeit erfährt sie, dass der Engel Raffe heißt und nicht gerade gewillt ist, ihr zu helfen. Doch Penryn ist sich sicher, dass sie nur durch ihn den Aufenthaltsort der anderen Engel, und somit auch ihre Schwester finden kann. Von da an beginnt sich eine eigenartige Beziehung zwischen Penryn und Raffe zu entwickeln. Es ist sofort absehbar, dass es eine Art Hass-Liebe zwischen den Beide geben wird. Sie drohen sich gegenseitig und fühlen sich dennoch auf eine gewisse Art voneinander angezogen. Ich persönlich finde es mal ganz angenehm, wenn die Protagonisten nicht in das „Starcrossed Lovers“ Profil hineinpassen. Jedenfalls hat man so das Gefühl dass sich die Beziehung realistisch entwickelt. Man darf schließlich nicht vergessen, dass Raffe eigentlich zu Penryns Feinden gehört. Aber  genau dies lässt sie ihn auch jeden Tag von Neuem spüren.

Doch dann kommt der Tag an dem die Beiden von einer der gefährlichen Straßengangs in ihrem Unterschlupf angegriffen werden und Raffe Penryn zur Flucht verhilft. Ab dem Moment beginnt die Beziehung der Beiden eine andere Bahn einzuschlagen. Penryn legt ein wenig ihre harte Schale ab und beginnt in Raffe einen Gefährten zu sehen. Der Engel scheint zwar oberflächlich an seinem Ego festzuhalten und ihr keine Zugeständnisse machen zu wollen, doch als Leser merkt man einfach, dass er Penryn eigentlich ganz interessant findet. Und so lässt er sich auf einen Deal mit ihr ein: Er bringt sie zu dem Ort, an dem die Engel residieren und sie gibt ihm im Gegenzug seine Flügel zurück, die sie in der Zwischenzeit als Druckmittel in der Hinterhand behält.

Die Beiden begeben sich somit auf eine kleine Reise durch das zerstörte San Francisco. Aber auch hier bekommen die Beiden es mit einer Reihe von Zwischenfällen zu tun. Besonders spannend wird es, als Penryn und Raffe auf einer Straße die zerfetzten Leichen von drei Menschen finden und im Raum steht, ob die Menschen langsam anfangen, sich gegenseitig als Nahrungsquellen zu betrachten. Die Art wie die Autorin die Szenerie umschreibt, ist allerdings so bildhaft, dass einem beim Lesen dann doch teilweise ein wenig anders wird. Man hat das Gefühl, neben Penryn und Raffe zu stehen und alles hautnah mitzuerleben. Jeden Geruch, jedes Geräusch und jede unvorhergesehene Situation. Denn bei ihrem Versuch, sich von der Straße zu entfernen, laufen die Beiden den Anhängern einer menschlichen Widerstandstruppe in die Arme und werden gefangen genommen. Allerdings kamen mir die Umstände doch ein wenig absurd vor. Penryn und Raffe sind beide enorm durchtrainiert und scheinen bereit dazu zu sein, gegen die Engel zu kämpfen. Sprich, die Widerstandskämpfer und das Zweigespann kämpfen für die Selbe Sache. Warum also die Beiden brutal verhaften und mit sich schleifen? Hab ich nicht verstanden, ehrlich.

Während Penryn und Raffe also in das Camp der Widerstandstruppe gebracht werden, merkt man eine kleine aufkeimende Romanze zwischen Penryn und einem männlichen Kumpanen namens Obadiah, kurz Obi. Allerdings wurde darauf kein allzu großer Schwerpunkt gelegt und so muss man sich mit der Andeutung eines Love Triangles zufrieden geben.
Während des Aufenthaltes im Camp macht Penryn keine Hehl daraus, dass sie sich notfalls auch gerne mal mit körperlicher Gewalt vor den forschen Männern verteidigt und auf alles was ladylike sein könnte gerne verzichtet. Aber genau von sowas möchte ich in der großen weiten Welt der Jugendliteratur mehr lesen. Jede Frau kann sich unterordnen und das Weibchen in Not spielen, das mag zwar auf den ersten Blick romantisch sein, immer vom Ritter in glänzender Rüstung gerettet zu werden, aber das Prinzip des schwächeren Geschlechtes ist meiner Meinung nach viel zu überholt. Dementsprechend hab ich überhaupt nichts dagegen, wenn eine Buchheldin auch mal selber zum Schlag ausholt und sich beweisen kann.

Während sich Penryn und Raffe also langsam an das Leben im Camp gewöhnen, müssen sie sich bald mit einem weiteren Disaster auseinandersetzen. Denn sie machen schon bald Bekanntschaft mit den Gestalten, die die Menschen auf der Straße in  Stücke gerissen haben. Hierbei ist zunächst nicht klar, um was für Monster es sich dabei eigentlich handelt. Nachdem diese jedoch das Camp überfallen, steht zumindest für Raffe fest, dass es keine Menschen, aber auch keine Engel sein können. Die Geschichte bekommt an dieser Stelle also auch eine kleine Thriller und Mystery Komponente und ich kann versprechen, dass die Auflösung des ganzen nicht nur extrem creepy ist, sondern auch wirklich schockierend.

Der nächste Anlaufpunkt ihrer Flucht ist dann auch schon Penryns lang ersehntes Ziel. Eine verlassene, von Engeln bevölkerte Stadt. Jedoch darf man diese nur als Engel betreten, oder wenn man eine schöne Frau im Schlepptau hat. Penryn, die doch eher praktisch veranlagt ist, muss somit also notgedrungen ein etwas freizügigeres Outfit anlegen und die Bekanntschaft mit Wimperntusche und Lippenstift machen. Hier merkt dann auch Penryn endlich, dass Raffe offensichtlich Gefallen an ihr findet und auch als Leser wird man sich langsam aber sicher über die Chemie zwischen den Beiden im Klaren. Trotz, oder gerade wegen ihrer neckenden Dialoge und Sticheleien kann man sich Raffe und Penryn doch langsam aber sicher als Paar vorstellen. Dennoch lobe ich mir doch die subtile Herangehensweise der Autorin, die der aufkeimenden Romanze genug Zeit zum Entwickeln gibt.

Aber zurück zur Geschichte. Tatsächlich scheint alles glatt zu laufen, Penryn ist an dem Ort, an dem man ihre Schwester gefangen hält und Raffe findet jemanden, der ihm seine Flügel wieder annähen kann.
Dann erfahren die Beiden jedoch das wahre Ausmaß der Engelsinvasion und welche Machtkämpfe quasi im Hinterzimmer ausgetragen wurden. Es kommt also zu einem Showdown in dem es knallt und kracht und man eine Seite nach der anderen verschlingt und plötzlich den leeren Buchdeckel vor sich hat.

Fazit:
Am Anfang war ich ein wenig skeptisch was den Hype um „Angelfall“ angeht. Nachdem ich das Buch gelesen habe, gebe ich aber zu, dass dieser absolut gerechtfertigt ist. Es ist gar nicht mal so einfach, auf dem bestehenden Dystopie Markt etwas rauszubringen, was sich von dem bisher dagewesenen unterscheidet und hervorsticht. Mit ihrem Debütroman ist es der Autorin aber definitiv gelungen, etwas einzigartiges aufs Papier zu bringen. Man hat einen guten Mix zwischen Mystery und Dystopie Elementen, ohne dabei vom klassischen Motiv der Engel abzuweichen. Der Romantische Part zwischen den Protagonisten entwickelt sich langsam und authentisch, es wirkt nichts erzwungen oder in eine bestimmte Schiene gerückt. Natürlich gibt es das ein oder andere kleine Makel an der Geschichte, kein Buch ist perfekt. Dennoch ist „Angelfall“ eine fantastische Neuentdeckung, mit einer starken Heldin und einem spannenden Plot. Bitte mehr davon!

1 Kommentar:

  1. Sehr schön und ausführlich geschrieben! =)
    Ich muss ehrlich gestehen, dass ich bei Penryn und Obi keinerlei Knistern bemerkt habe, aber jetzt, wo du es ansprichst...
    Ich bin gespannt auf die Fortsetzung!

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