Montag, 21. April 2014

[Rezension] "Frostkuss" von Jennifer Estep

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Buchinformationen:
Originaltitel: Touch of Frost
Autor: Jennifer Estep
Verlag: IVI Verlag
Serie: Mythos Academy
Format: Klappenbroschur
Seiten: 400 Seiten
ISBN: 
978-3-492-70249-2
Preis: 14,99€ [D]; 15,50€ [A]

Englische Homepage der Autorin

Inhalt:
Die 17-jährige Gwen Frost ist das einzige Mädchen aus der Mittelschicht und die einzige Gypsy auf der Mythos Academy. Als solche besitzt sie die Gabe, Erinnerungen und Gefühle anderer Menschen zu sehen, wenn sie dessen Gegenstände berührt und ebenso, wenn sie diese Person an sich berührt. Für Gwen ist diese Gabe alles andere als ein Segen, denn diese macht sie zum Außenseiter. Doch als plötzlich eine Mitschülerin in der Bibliothek der Altertümer ermordet wird und ein altes Artefakt gestohlen wird, ist ihre Gabe der einzige Weg, den undurchschaubaren Fall zu lösen. 
Dabei muss Gwen erkennen, dass keiner der Mädchen von der Mythos Akademie vor Intrigen untereinander sicher ist und dass die Mythengeschichten um den Chaos Gott Loki realer sind, als gedacht ...

Backround Infos:
"Frostkuss" ist der Auftakt einer sechsbändigen Buchreihe. Bis jetzt sind fünf Bände auf Deutsch erschienen.

Rezension:
Gleich zu Beginn der Geschichte lernen wir die Protagonistin Gwen Frost und ihre größte Rivalin Daphne Cruz kennen. Gwen scheint mit ihren siebzehn Jahres bereits eine sehr kontrollierte und besonnene Persönlichkeit zu haben, was man wahrscheinlich darauf zurückführen kann, dass sie ohne Mutter und in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen ist. Sie wurde also quasi dazu gezwungen, schon früh erwachsen zu werden. Dennoch hat sie eine kleine sympathische Schwäche für Comics. 

Doch trotz ihrer Herkunft hat Gwen etwas an sich, das sie einzigartig macht. Als einzige Schülerin an der Mythos Akademie hat sie eine Gypsy Gabe, das heißt, sie kann die Erinnerungen und Gefühle einer Person sehen, wenn sie diese berührt oder wenn sie einen Gegenstand dieser Person berührt.

Für Gwen ist diese Gabe jedoch mehr Fluch als Segen. Besonders seit dem Tod ihrer Mutter. Denn Gwen ist sich sicher, hätte sie nicht eine bestimmte Vision gehabt, wäre ihre Mum noch am Leben. Man merkt also als Leser sehr schnell, dass sie eine sehr starke Bindung zu ihrer Mutter gehabt hat und dass sie dessen Tod sehr geprägt hat. Es vergeht auch kein Tag an der Mythos Akademie an dem Gwen nicht an ihre Mutter denkt.

Doch nicht nur das sorgt dafür, dass Gwen ihre Gabe alles andere als schätzt. Denn dadurch ist sie nicht in der Lage normale soziale Kontakte zu knüpfen. Bestes Beispiel ist ihr Exfreund. Sie küsst ihn und merkt, wie er in Wirklichkeit an ein anderes Mädchen denkt.

Dementsprechend sind auch keine willkürlichen Berührungen anderer Menschen möglich, da sie so sofort alle deren Geheimnisse erfahren würde.

Zu ihrem eigenen Schutz und um ihre Gabe zu kontrollieren, wurde sie also auf die Mythos Akademie geschickt, wo man die Nachfahren antiker Helden ausbildet, mit ihren Gaben umzugehen und gegen den Gott Loki zu kämpfen. Zusammen mit den verwöhnten Nachfahren von Wallküren, Amazonen und Spartanern muss Gwen versuchen, den Schulalltag zu meistern. Jedoch ist sie nicht nur durch ihre Gabe ein Außenseiter, sondern auch die Tatsache, dass sie aus bescheidenen Verhältnissen kommt und sich keine teuren Luxus Gegenstände leisten kann, macht sie zu einer Randgestalt. Hinzu kommt, dass sie an die ganzen Mythengeschichten von Loki und seinem Streit mit den anderen Göttern nicht glaubt. Für sie sind dies tatsächlich nur Geschichten.

Doch als sie in der Schulbibliothek plötzlich die Leiche einer Mitschülerin findet, werden all die Mythen plötzlich zur grausamen Realität. Denn zu allem Übel wurde auch noch ein wertvolles antikes Artefakt gestohlen. Doch wer der Täter ist, ist unklar. Für Gwen steht jedoch fest, dass sie den Täter  mit Hilfe ihrer Gabe finden will. Dies sorgt besonders am Anfang dafür, dass die Geschichte eher ein Krimi Flair bekommt anstatt einer mythischen Atmosphäre. Irgendwann ebbt dieses Flair dann ab und hinzu kommt ein wenig typischer Jugendroman Flair.

Was ich der Autorin definitiv zu Gute halten muss, ist dass sie auf ein nerviges Liebesdreieck in ihrem Jugendroman verzichtet hat. Gwen hat genau ein Liebesinteresse und das ist Logan Quinn. Logan ist ein Nachfahre der ruhmreichen Spartaner und hat dementsprechend außerordentliche kämpferische Fähigkeiten. 

Während Gwens Suche nach Hinweisen läuft er ihr das ein oder andere Mal über den Weg und die beiden entwickeln zarte Bande. Zunächst eher freundschaftlich angehaucht, wird es für Gwen bald mehr als Freundschaft. Doch Logan lässt zu keiner Zeit hinter seine raue Spartaner Fassade blicken. Doch trotzdem scheint er nicht zufällig so oft in Gwens Nähe aufzutauchen. Gut finde ich, dass sich die Geschichte zwischen den beiden langsam entwickelt und sie nicht überstürzt anfangen, sich gegenseitig ihre Liebe zu gestehen. Jedoch kommt alles am Ende anders, als geplant.

Ein wenig schade finde ich, dass die eigentliche Bedrohung durch den Gott Loki und seinen Gefolgsleute, den Schnittern, immer wieder in den Hintergrund gerät. Ich meine Loki als Chaos Gott schlechthin will Rache auf die Menschen ausüben und irgendwie scheint niemand die Bedrohung ernst zu nehmen. Nichtmal als das Artefakt aus der Bibliothek entwendet wurde und ein Schnitter Dämon auftaucht wird jemand hellhörig, außer Gwen. Da fehlt mir doch ehrlich gesagt ein wenig die Dramatik.

Was ich jedoch bemerkenswert finde, ist Gwens Wachstum im Laufe der Geschichte. Sie gewöhnt sich immermehr an ihre Rolle als einzige Gypsy auf der Akademie und doch bleibt sie sich selber treu. Dadurch schafft sie es sogar eine einstige Rivalin zur Freundin zu machen.

Fazit:
"Frostkuss" ist ein gelungener Auftakt zur Mythos Akademie Reihe. Abzüge gibt es nur wegen Feinheiten. Als Jugendroman kommt die Geschichte mit einfachen Dialogen und nicht allzu tiefgründigen Charakteren daher, jedoch glänzt der Plot mit einigen originellen Handlungssträngen. Es gibt definitiv noch mehr Potential hinter der Geschichte, die hoffentlich in den Folgebänden ausgeschöpft wird. Abschließend kann ich jedoch sagen, dass sich das Buch sehr gut für Zwischendurch eignet, wenn man etwas lesen möchte, dass nicht allzu anspruchsvoll ist, jedoch gut unterhält.

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