Donnerstag, 23. Juni 2016

[Rezension] "Zorn und Morgenröte" von Renée Ahdieh


Buchinformationen


Originaltitel: The Wrath and the Dawn | Autor: Renée Ahdieh | Verlag: Lübbe ONE
Format: gebunden mit Schutzumschlag | Seiten: 400 Seiten | ISBN: 384-660-020-2 
Preis: 16,99€ [D]

Erschienen am 12. Februar 2016

Inhalt


Chalid ist der König der Könige, der große Kalif von Chorasan und ein Monster. Jeden Tag nimmt er sich eine neue Frau und lässt sie im Angesicht der Morgenröte hinrichten. Doch dann tritt Sharzad in sein Leben, die sich freiwillig als neue Braut gemeldet hat. Sie hat nicht vor nach nur einer Nacht zu sterben, denn sie sinnt auf Rache. Rache für den Mord an Chalids letzter Frau Shiva, Sharzads bester Freundin.
Durch eine List schafft sie es, ihr Überleben zu sichern und sich die Gunst des Kalifen zu verschaffen. Doch je näher sie Chalid kennenlernt, desto mehr schreckliche Geheimnisse offenbaren sich und lassen die Morde an seinen Frauen in einem ganz anderen Licht dastehen. Schon bald muss Sharzad sich entscheiden ob sie in Chalid weiterhin das grausame Monster sieht, welches sie vernichten will, oder einen jungen Mann, den seine eigene Vergangenheit gezeichnet hat und der ihr Herz unvermeidlich immer schneller schlagen lässt …

Rezension


„Zorn und Morgenröte“ ist für mich eines dieser Bücher bei denen man Angst hat, es zu Ende zu lesen, weil die Geschichte dann ja vorbei ist und man auf die Fortsetzung warten muss. Es passiert mir nur sehr sehr selten, aber ich habe mich gleich nach dem ersten Kapitel in das Buch verliebt und wollte einfach nicht, dass die Geschichte aufhört.

Das Buch spielt in dem Königreich Chorasan, welches von dem achtzehn Jahre jungen Kalifen Chalid Ibn al-Rashid regiert wird. Jeden Tag nimmt er sich eine neue Frau und tötet sie dann im Angesicht der Morgenröte. Das alleine verspricht schon eine spannende Geschichte und als man dann die Protagonistin Sharzad kennenlernt, war es eigentlich auch schon um mich geschehen. Nach nur drei Seiten hat mich das Buch so in seinen Bann geschlagen, dass ich genau wusste, dies ist ein seltenes 5 Sterne Buch für mich.

Sharzad meldet sich freiwillig als neue Braut des Kalifen um Chalids letztes Opfer, ihre beste Freundin Shiva, zu rächen. Sie hat vor, länger als nur eine Nacht im Palast des Kalifen zu überleben und sich sein Vertrauen zu erschleichen. Denn nur so sieht sie eine Chance, ihn zu töten und ihn damit, für das was er getan hat, büßen zu lassen. Und so beginnt sie ihm eine Geschichte zu erzählen, die jedoch länger dauert, als nur eine Nacht und so ist Chalid gezwungen, sie vorerst am Leben zu lassen.

Doch warum tut er dies eigentlich? Das ist eine Frage die einen lange durch das Buch hindurch begleitet. Es gibt immer mal wieder kryptische Andeutungen aber die Wahrheit erfährt Sharzad erst kurz vor Ende. Die Spannung zieht sich also durch das gesamte Buch hindurch.

Je länger Sharzad es schafft, am Leben zu bleiben, desto mehr erfährt man auch über Chalid. Er selber ist eine eher ruhige Persönlichkeit, aber dennoch bedrohlich. Er ist ein begnadeter Schwerkämpfer und sieht natürlich atemberaubend aus. Durch sein mysteriöses Verhalten fühlt Sharzad sich zwar auf der einen Seite zu ihm hingezogen, verliert dabei jedoch nicht ihre eigentliche Mission aus den Augen. Irgendwie hab ich mir die ganze Zeit gewünscht, dass irgendwer auf die Idee kommen sollte, die Geschichte als New Adult Roman neu zu schreiben. Die Geschichte hat absolutes Potenzial dazu!

Sharzad hingegen kann man vergleichen mit einem Sturm der im Palast des Kalifen wütet. Sie ist selbstbewusst und willensstark und ihre Schlagkräftigkeit ist einfach nur genial. Ich hab des öfteren beim Lesen gedacht ‚wow, starke Antwort Sharzad!‘ und ich konnte von ihr als Protagonistin einfach nicht genug bekommen. Sie bringt ordentlich Leben in den tristen Alltag des Palastes und zeigt auch Chalid ein ganz neues Leben. Und so schafft sie es auch eine ganz neue Seite an ihm zum Vorschein zu bringen.

Doch auch wenn Sharzads Leben vorerst nicht mehr in Gefahr zu sein scheint, gibt es Menschen, die dem Kalifen und seiner neuen Frau nach dem Leben trachten und nichts unversucht lassen, um den Beiden zu schaden. Jedoch gibt es auch viele Nebencharaktere, die treue Verbündete des Herrscherpaares sind, wie zum Beispiel Chalids Freund Jalal oder Sharzads Magd Despina. Die Beiden sind definitiv eine Klasse für sich und sind mir ebenso ans Herz gewachsen wie die Hauptcharaktere. Die Autorin gibt ihren Charakteren eine so individuelle Seele, dass man gar nicht anders kann, als sie ins Herz zu schließen und mit jeder Handlung mitzufühlen.

Früher oder später gelangt Sharzad dann natürlich in ein gewaltiges Gefühlschaos. Sie liebt Chalid abgöttisch, weiß aber, dass sie Shiva gegenüber loyal sein sollte. Und dann taucht auch noch ihre alte Liebe Tarik auf und bringt das Chaos erst richtig ins Rollen.

In einem parallelen Handlungsstrang liest man über die merkwürdigen Vorkommnisse in die Sharzads Vater sich verstrickt hat. Dieser fängt nämlich an mit alter Magie herumzuexperimentieren, um seine Tochter zu retten. Ihr seht also, dass das Buch auch einen kleinen Fantasy Touch hat, dadurch jedoch nicht abgedroschen oder die Geschichte an den Haaren herbeigezogen wirken lässt. Ich finde die Magie passt hervorragend in den Kontext des Buches und ich muss einmal mehr betonen wie begeistert ich von dem Buch bin.

„Zorn und Morgenröte“ hat alles, was ein perfektes Jugendbuch braucht. Spannung, eine wirklich tolle Protagonistin, die vor Stärke und Selbstbewusstsein nur so strotzt und nicht auf den Mund gefallen ist, und eine Liebesgeschichte wie buchstäblich aus „1001er Nacht“. Wer dieses Buch nicht liest, hat definitiv was verpasst.

Freitag, 3. Juni 2016

|Rezension| "Cry Baby - Scharfe Schnitte" von Gillian Flynn

Buchinformationen

Originaltitel: Sharp Objects | Autor: Gillian Flynn | Verlag: Fischer Verlag
Format: Taschenbuch | Seiten: 336 Seiten | ISBN: 
359-603-202-4
Preis: 9,99€ [D]

Erschienen am 21. Mai 2015

Inhalt

Camille Preaker ist eine mittelmäßige Journalistin die ihr Leben in den Tag hinein lebt. Gezeichnet durch ihre Vergangenheit, wollte sie nie wieder in ihre Heimatstadt Wind Cap zurückkehren. Doch als dort zwei junge Mädchen ermordet werden, setzt ihr Chef Mr Curry sie auf den Fall an und Camille muss sich unweigerlich ihrer Vergangenheit und ihrer Familie stellen.
In Wind Cap erfährt Camille dass die Mädchen stranguliert wurden und ihnen dann die Zähne entfernt worden sind. Die Morde scheinen in kein Raster zu passen und die Suche nach dem Mörder geradezu aussichtslos, doch dann beschleicht Camille ein fürchterlicher Verdacht, wer krank genug sein könnte, den Mädchen so etwas anzutun …

Rezension

„Cry Baby“ ist das erste Buch von Bestsellerautorin Gillian Flynn. Protagonistin der Geschichte ist Camille Preaker, eine junge Frau aus Chicago die von ihrer Vergangenheit gezeichnet ist und sich als mittelmäßige Journalistin für eine Zeitung durchschlägt. Als in ihrer Heimatstadt Wind Cap zwei Mädchen grausam ermordet werden, setzt ihr Chef Mr Curry sie auf die Story an. Doch dies bedeutet auch, dass Camille sich ihrer Familie und damit auch ihrer Vergangenheit stellen muss. Getrieben durch den Drang, endlich einen spannenden Artikel zustande zu bringen, willigt sie jedoch ein und übernimmt den Auftrag.

Noch bevor die Geschichte richtig in Fahrt kommt, merkt man bereits, dass das Buch eine sehr negative und depressive Atmosphäre hat. Dadurch dass die Geschichte aus Camilles Perspektive erzählt wird, sie psychisch gebrandmarkt ist und eigentlich auch gar keinen richtigen Antrieb im Leben hat, passt es natürlich. Ich war nur sehr überrascht wie schnell mich der Schreibstil auf Camilles Stimmungslevel heruntergezogen hat.

Sobald Camille in Wind Cap ankommt, lernt man das erste Mal ihre Familie kennen. Im Grunde genommen spaltet sich die Geschichte dort in zwei Teile und ich weiß bis zuletzt nicht, was im Endeffekt der Haupthandlungsstrang war. Zum einen wird der Mord an den beiden Mädchen Ann Nash und Natalie Wheeler in dem Buch behandelt, aber der jahreslange Konflikt zwischen Camille und ihrer Mutter Adora macht einen so großen Teil der Geschichte aus, dass die Morde fast schon in den Hintergrund geraten.

Um nähere Infos über die Mordopfer zu bekommen, interviewt Camille deren Familienangehörige und stößt hierbei auf einige verstörende Fakten. So waren die beiden gar nicht die vermeintlichen lieben Mädchen von nebenan, sondern neigten beispielsweise zu kleinen Gewalttaten an ihren Mitschülerinnen. Generell scheint es so, als sei das Buch sehr auf Frauen fokussiert. Alle wichtigen Personen in der Geschichte sind weiblich. Außerdem Hat jeder dieser Charaktere in dem Buch eine psychische Störung.

Camille selber leidet unter einer Störung die sie seit Kindesalter dazu bringt, alles aufzuschreiben was sie hört. Doch irgendwann fing sie an, die Sachen nicht nur zu Papier zu bringen, sondern sich diese auf die Haut zu schreiben und dann einzuritzen. Woher die Krankheit genau kommt erfährt man leider nicht, es ist aber anzunehmen, dass ihre schwierige Kindheit dazu geführt hat. Was mich auch schon zum nächsten Charakter bringt, nämlich Camilles Mutter Adora. Sie war nie in der Lage Camille richtig zu lieben und hat sie das natürlich auch spüren lassen. Stattdessen hat sie ihre Schwester Marian verwöhnt und umsorgt, bis diese schließlich schwer krank gestorben ist. So ergeht es auch Camilles Schwester Amma, die das Kind von Adora und ihrem neuen Mann ist.

Amma ist nochmal ein Kaliber für sich. Durch das krankhafte verhätscheln ihrer Mutter hat sie eine Störung entwickelt, die sie glauben lässt, dass sie über alles und jeden stehen würde. Andere Menschen behandelt sie oftmals würdelos und besonders ihre „Freundinnen“ wie eine Art Sklaven. Sehr bezeichnend fand ich Szene in der sie zum Schlachthof gefahren ist um die Schweine dort zu beobachten. Genau das beschreibt ihren Charakter perfekt, mehr muss man dazu nicht sagen.

Generell ist das Buch definitiv als Erwachsenenliteratur einzustufen, da der Inhalt sehr anstößig ist. Der Schreibstil an sich ist so negativ und eklig gehalten, als ob bewusst vermieden wurde auch nur einen Funken Positives in die Geschichte einzubauen. Gillian Flynn hat es wirklich geschafft den Inbegriff eines Psychothrillers zu schreiben. Leider hat man bereits nach den ersten 150 Seiten eine gewisse Vorahnung wer der Mörder der beiden Mädchen ist. Trotzdem ist das Buch unglaublich spannend weil die ganzen Charaktere so unberechenbar sind und man immer Angst hat, was diese sich gegenseitig als nächstes antun könnten.

Die Geschichte ist in sich abgeschlossen, sodass es am Ende auch keinen Cliffhanger gibt. Stattdessen gibt es nochmal einen spannenden Plot Twist. Ich bin sehr begeistert von dem ersten Gillian Flynn Buch und es wird sicherlich nicht mein letztes gewesen sein. Ein Buch wie „Cry Baby“ habe ich noch nie zuvor gelesen, wirklich unvergleichbar.

Zum Ende dann noch einen kleinen Fun Fact. Und zwar hat die Autorin am 1. April auf ihrer Facebook Seite verkündet, dass das Buch (auf engl. Sharp Objects) von HBO als Serie rausgebracht wird mit Amy Adams in der Hauptrolle. Na wenn das mal nicht für die Qualität des Buches spricht. Ein absolutes Must Read!

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