Freitag, 3. Juni 2016

|Rezension| "Cry Baby - Scharfe Schnitte" von Gillian Flynn

Buchinformationen

Originaltitel: Sharp Objects | Autor: Gillian Flynn | Verlag: Fischer Verlag
Format: Taschenbuch | Seiten: 336 Seiten | ISBN: 
359-603-202-4
Preis: 9,99€ [D]

Erschienen am 21. Mai 2015

Inhalt

Camille Preaker ist eine mittelmäßige Journalistin die ihr Leben in den Tag hinein lebt. Gezeichnet durch ihre Vergangenheit, wollte sie nie wieder in ihre Heimatstadt Wind Cap zurückkehren. Doch als dort zwei junge Mädchen ermordet werden, setzt ihr Chef Mr Curry sie auf den Fall an und Camille muss sich unweigerlich ihrer Vergangenheit und ihrer Familie stellen.
In Wind Cap erfährt Camille dass die Mädchen stranguliert wurden und ihnen dann die Zähne entfernt worden sind. Die Morde scheinen in kein Raster zu passen und die Suche nach dem Mörder geradezu aussichtslos, doch dann beschleicht Camille ein fürchterlicher Verdacht, wer krank genug sein könnte, den Mädchen so etwas anzutun …

Rezension

„Cry Baby“ ist das erste Buch von Bestsellerautorin Gillian Flynn. Protagonistin der Geschichte ist Camille Preaker, eine junge Frau aus Chicago die von ihrer Vergangenheit gezeichnet ist und sich als mittelmäßige Journalistin für eine Zeitung durchschlägt. Als in ihrer Heimatstadt Wind Cap zwei Mädchen grausam ermordet werden, setzt ihr Chef Mr Curry sie auf die Story an. Doch dies bedeutet auch, dass Camille sich ihrer Familie und damit auch ihrer Vergangenheit stellen muss. Getrieben durch den Drang, endlich einen spannenden Artikel zustande zu bringen, willigt sie jedoch ein und übernimmt den Auftrag.

Noch bevor die Geschichte richtig in Fahrt kommt, merkt man bereits, dass das Buch eine sehr negative und depressive Atmosphäre hat. Dadurch dass die Geschichte aus Camilles Perspektive erzählt wird, sie psychisch gebrandmarkt ist und eigentlich auch gar keinen richtigen Antrieb im Leben hat, passt es natürlich. Ich war nur sehr überrascht wie schnell mich der Schreibstil auf Camilles Stimmungslevel heruntergezogen hat.

Sobald Camille in Wind Cap ankommt, lernt man das erste Mal ihre Familie kennen. Im Grunde genommen spaltet sich die Geschichte dort in zwei Teile und ich weiß bis zuletzt nicht, was im Endeffekt der Haupthandlungsstrang war. Zum einen wird der Mord an den beiden Mädchen Ann Nash und Natalie Wheeler in dem Buch behandelt, aber der jahreslange Konflikt zwischen Camille und ihrer Mutter Adora macht einen so großen Teil der Geschichte aus, dass die Morde fast schon in den Hintergrund geraten.

Um nähere Infos über die Mordopfer zu bekommen, interviewt Camille deren Familienangehörige und stößt hierbei auf einige verstörende Fakten. So waren die beiden gar nicht die vermeintlichen lieben Mädchen von nebenan, sondern neigten beispielsweise zu kleinen Gewalttaten an ihren Mitschülerinnen. Generell scheint es so, als sei das Buch sehr auf Frauen fokussiert. Alle wichtigen Personen in der Geschichte sind weiblich. Außerdem Hat jeder dieser Charaktere in dem Buch eine psychische Störung.

Camille selber leidet unter einer Störung die sie seit Kindesalter dazu bringt, alles aufzuschreiben was sie hört. Doch irgendwann fing sie an, die Sachen nicht nur zu Papier zu bringen, sondern sich diese auf die Haut zu schreiben und dann einzuritzen. Woher die Krankheit genau kommt erfährt man leider nicht, es ist aber anzunehmen, dass ihre schwierige Kindheit dazu geführt hat. Was mich auch schon zum nächsten Charakter bringt, nämlich Camilles Mutter Adora. Sie war nie in der Lage Camille richtig zu lieben und hat sie das natürlich auch spüren lassen. Stattdessen hat sie ihre Schwester Marian verwöhnt und umsorgt, bis diese schließlich schwer krank gestorben ist. So ergeht es auch Camilles Schwester Amma, die das Kind von Adora und ihrem neuen Mann ist.

Amma ist nochmal ein Kaliber für sich. Durch das krankhafte verhätscheln ihrer Mutter hat sie eine Störung entwickelt, die sie glauben lässt, dass sie über alles und jeden stehen würde. Andere Menschen behandelt sie oftmals würdelos und besonders ihre „Freundinnen“ wie eine Art Sklaven. Sehr bezeichnend fand ich Szene in der sie zum Schlachthof gefahren ist um die Schweine dort zu beobachten. Genau das beschreibt ihren Charakter perfekt, mehr muss man dazu nicht sagen.

Generell ist das Buch definitiv als Erwachsenenliteratur einzustufen, da der Inhalt sehr anstößig ist. Der Schreibstil an sich ist so negativ und eklig gehalten, als ob bewusst vermieden wurde auch nur einen Funken Positives in die Geschichte einzubauen. Gillian Flynn hat es wirklich geschafft den Inbegriff eines Psychothrillers zu schreiben. Leider hat man bereits nach den ersten 150 Seiten eine gewisse Vorahnung wer der Mörder der beiden Mädchen ist. Trotzdem ist das Buch unglaublich spannend weil die ganzen Charaktere so unberechenbar sind und man immer Angst hat, was diese sich gegenseitig als nächstes antun könnten.

Die Geschichte ist in sich abgeschlossen, sodass es am Ende auch keinen Cliffhanger gibt. Stattdessen gibt es nochmal einen spannenden Plot Twist. Ich bin sehr begeistert von dem ersten Gillian Flynn Buch und es wird sicherlich nicht mein letztes gewesen sein. Ein Buch wie „Cry Baby“ habe ich noch nie zuvor gelesen, wirklich unvergleichbar.

Zum Ende dann noch einen kleinen Fun Fact. Und zwar hat die Autorin am 1. April auf ihrer Facebook Seite verkündet, dass das Buch (auf engl. Sharp Objects) von HBO als Serie rausgebracht wird mit Amy Adams in der Hauptrolle. Na wenn das mal nicht für die Qualität des Buches spricht. Ein absolutes Must Read!

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