Freitag, 10. Februar 2017

Buchgedanken | "Das Unendliche Meer" von Rick Yancey


Buchinformationen


Originaltitel: The Infinite Sea | Autor: Rick Yancey | Verlag: Goldmann
Format: gebunden mit Schutzumschlag | Seiten: 352 Seiten | ISBN:  978-3-442-31335-8 
Preis: 16,99€ [D]

Erschienen am 30. März 2015
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Wie sein Vorgänger „Die fünfte Welle“ beginnt auch „Das Unendliche Meer“ mit einem Prolog. Nun da die vermeintlich großen Geheimnisse um die Anderen und deren Pläne raus sind, war ich natürlich gespannt, wie man es schaffen will, einen würdigen Nachfolger für „Die fünfte Welle“ zu schreiben. Ich habe allerdings sehr schnell gemerkt, dass es noch um einiges mehr Fragen zu beantworten gibt, als ich dachte. Bis diese jedoch beantwortet werden, braucht man einen sehr langen Atem.
Cassie, Ringer und Ben finden sich mit ihren Freunden zunächst in einem Hotel wieder, welches sie als sicheren Unterschlupf nutzen wollen. Da sie jedoch sicher sind, dass dieser nicht lange sicher bleiben wird, entscheidet sich Ringer, das Hotel zu verlassen und nach einer neuen Bleibe zu suchen. Ihr Plan geht jedoch sehr schnell schief und so sieht Ringer sich bald in den Armen eines alten Feindes wieder.

Währenddessen wartet Cassie darauf, dass Evan nach den Ereignissen in „Die fünfte Welle“ zu ihr zurückkehrt und sorgt damit für Unmut in der Gruppe. Im ersten Band war ich ein sehr großer Fan von Cassie, jedoch fand ich diese ganze Sache mit Evan in diesem Buch ein wenig nervig. Sie klammert sich so sehr an die Hoffnung, dass er wieder auftaucht, dass sie Alles um sich herum zu vergessen scheint und wenig mit der starken Heldin aus „Die fünfte Welle“ gemeinsam hat.

Wenn man bedenkt, wie der erste Band aufgehört hat, fand ich es nahezu enttäuschend wie lethargisch die Geschichte in „Das unendliche Meer“ anfängt. Der Part im Hotel zieht sich sehr in die Länge und hat mich nicht so recht für sich einnehmen können. Man wartet die ganze Zeit, dass etwas Spannendes passiert, doch dazu muss man sich zunächst fast die Hälfte des Buches gedulden. Erfahrungsgemäß ist es jedoch meistens so, dass der zweite Band einer Reihe genau diese Probleme aufweist und wie ein Lückenfüller wirkt.


Etwas was ich aber lobend erwähnen will ist, dass wir während der Zeit im Hotel die Antwort darauf bekommen, warum im ersten Band die Jüngsten der Kinder im Camp Haven wieder mit dem Bus weggefahren wurden. Und ich weiß nicht so recht ob ich mehr entsetzt sein soll, oder schlicht und ergreifend fasziniert von der Idee des Autors. Ich denke es ist wohl ein bisschen von Beidem.
Was ich außerdem jedem empfehlen würde: lest den ersten Band nochmal bevor ihr mit Band zwei anfangt. Die Geschichte kann teilweise doch sehr verwirrend sein aufgrund der plötzlichen Sprünge zwischen den Erzählperspektiven. So bekommen wir zum Beispiel ein Kapitel aus Poundcakes Sicht erzählt und erfahren, wieso er nicht spricht.

Was mich sehr begeistert hat, waren die Kapitel aus Ringers Sicht. Sie scheint sich in „Das unendliche Meer“ zu dem wohl wichtigsten Charakter in der Geschichte zu entwickeln, wird doch der erste Teil und der dritte Teil des Buches komplett aus ihrer Perspektive erzählt. Man erfährt eine Menge über ihre Vergangenheit und warum sie zu dem Mädchen geworden ist, welches wir seit der fünften Welle als Ringer kennen.

Neben den bekannten Charakteren lernen wir außerdem zwei Neue kennen. Zum einen hätten wir da Grace, eine junge Frau aus Evans Vergangenheit, die so ziemlich jedes Klischee einer bösen Schönheit bedient. Genau wie Evan ist sie ein Silencer, jedoch nimmt sie ihre Aufgabe im Gegensatz zu Evan um einiges Ernster. Sie lebt den Plan der Anderen buchstäblich bis in den Tod und wird des Öfteren mit einer nordischen Kriegerprinzessin verglichen ... was meiner Meinung passt wie die Faust aufs Auge. Mir fallen jede Menge böse Wörter ein, mit denen man sie beschreiben kann. Aber nur weil sie zu den Bösen gehört, heißt das nicht dass ich ihren Charakter nicht mochte, ganz im Gegenteil. Ich finde Grace großartig und sie hätte viel mehr Auftritte in dem Buch verdient. Ich bin auch immer noch großer Hoffnung, dass sie in der Fortsetzung eine Rolle spielen wird, da mir ihr Schicksal in dem Buch nicht so ganz klar war.

Der zweite Neue heißt Razor. Ringer lernt ihn im dritten Teil der Geschichte kennen und zwischen den beiden entwickelt sich eine ganz besondere Beziehung. Es erinnert ein bisschen an die Anfangszeit zwischen Evan und Cassie, wo man nie so richtig wusste, was man in ihm eigentlich sehen soll. Es ist wirklich schwierig über Razor zu erzählen ohne zu Spoilern, aber so viel sei verraten: er und Ringer sind an einem großen Plot Twist beteiligt. Dieser Plot Twist verändert alles was man im ersten Band glaubt gelernt zu haben und lässt alles in einem völlig anderen Licht erscheinen. Und das war dann endlich der Punkt, auf den ich das ganze Buch hindurch gewartet habe. Nämlich diese Situation, in der man das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann. Und dann, bevor man überhaupt wusste wie einem geschieht und so viele Fragen aufgetaucht sind, endet die Geschichte plötzlich.

Viele neue Fragen, Ereignisse überschlagen sich und man möchte einfach nur wissen, wie es weitergeht. So hätte ich mir das ganze Buch gewünscht, aber ich bin mir sicher Rick Yancey wird sich was bei dem Aufbau der Geschichte gedacht haben. Wie am Ende des ersten Bandes ist man ein wenig entsetzt, jedoch aber auch irgendwie zufrieden, wie sich die Geschichte entwickelt. Ich hoffe nun, dass Band drei nochmal ein richtiger Knaller wird und meine Erwartungen an die Reihe hoffentlich übertreffen wird.

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