Freitag, 2. Juni 2017

Rezension | "Die Rote Königin" von Victoria Aveyard


Buchinformationen

Originaltitel: Red Queen | Autor: Victoria Aveyard | Verlag: Carlsen
Format: gebunden mit Schutzumschlag | Seiten: 512 Seiten | ISBN: 978-3-551-58326-0
Preis: 19,99€ [D]

Erschienen am 28. Mai 2015
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Über „Die Rote Königin“ hört man viele unterschiedliche Meinungen. Bisher hatte mich genaue das davon abgehalten, das Buch zu lesen. Jedoch stand es in der Onleihe App zum Verleih und ich gab dem ganzen eine Chance.

Das Buch begann für mich wie ein jeder Standard Jugendroman, ohne viel Tiefe und mit oberflächlichen Charakteren. Der Schauplatz wurde lieblos beschrieben und so recht warm wird man mit der Geschichte auch nicht. Ich fühlte mich in meiner Entscheidung definitiv bestätigt, das Buch nur zu leihen und nicht zu kaufen.

Deshalb war ich vollkommen von mir selber überrascht, als sich diese bescheidene Meinung dann doch nach und nach in Begeisterung verwandelte. Woran dies genau lag, werde ich euch in diesem Post näher erläutern.

„Die Rote Königin“ spielt in einer Welt, in der es zwei Bevölkerungsschichten gibt. Zum einen gibt es die Menschen mit rotem Blut, die slumartige Dörfer bewohnen und von Leid und Elend geplagt sind. Dann gibt es die „Menschen“ von silbernem Blut, welche besondere Fähigkeiten besitzen. Sie sind beispielsweise in der Lage, die Elemente zu kontrollieren oder Gedanken zu lesen. Doch statt mit diesen Fähigkeiten Gutes zu tun, unterdrücken sie die Roten und beuten diese für ihre Zwecke aus.

Die Protagonistin der Geschichte ist Mare Barrow, ein rotes Mädchen aus den Armenvierteln. Ihre Brüder wurden alle in den von Silbernen geführten Krieg eingezogen und ihr steht nun das Selbe bevor. Doch ein Unbekannter besorgt ihr einen Job im Palast der silbernen Königsfamilie und so bleibt ihr das fatale Schicksal erspart. Über den Krieg hätte ich übrigens unheimlich gerne mehr erfahren, aber vielleicht kommt das ja noch in den nächsten Bänden.

Im Palast wird sie dann Zeugin der Königinnenkür, einer Art Casting, welches die zukünftige Gemahlin des Kronprinzen Cal hervorbringen soll. Und hier kommen wir an den Punkt, der meine komplette Meinung über das Buch verändert hat.

Durch einen Unfall bei der Veranstaltung kommt heraus, dass Mare Blitze aus ihrem Körper hervorrufen kann und somit ebenfalls besondere Fähigkeiten besitzt, obwohl sie eine Rote ist. Der erste Gedanke war natürlich: wie kann das bitte sein? Das ist doch total unlogisch! Eine richtige Erklärung dazu bekommt man im ersten Band leider nicht. Aber es muss ja spannend bleiben und das ist es ab dem Punkt allemal.

Um die Kontrolle über das unvorhersehbare Ereignis zu behalten, denkt der König sich eine Lüge aus und versteckt Mare im Palast. Sie soll nach außen hin das lang verschwundene Kind eines silbernen Generals verkörpern und das Image der Krone verbessern. Und um die Lüge zu perfektionieren, soll sie Maven, Cals jüngeren Bruder heiraten.

Während Cal der Inbegriff eines jungen Thronfolgers ist, der von seinem Vater über alles geliebt wird und natürlich alles hat, was einen jungen Mann attraktiv macht, ist Maven hingegen der Bruder im Schatten. Der stille und nachdenkliche Zweitgeborene, der nie in seiner Rolle glänzen konnte. Die Beziehung und Geschichte zwischen den Beiden ist ein extrem spannender Bestandteil des Buches und sorgt für so einige schockierende Wendungen.

Mare steht nun zwischen den Stühlen. In Maven scheint sie eine genauso gequälte Seele wie sie selbst gefunden zu haben. Man liebt und leidet laufend mit den Beiden mit und das macht es so schön, die Beziehung zwischen den Beiden wachsen zu sehen ... zumindest bis zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Geschichte auf den ich aus Spoilergründen jetzt nicht näher eingehen werde. Wer das Buch bereits gelesen hat, wird das verstehen.

Doch etwas scheint da auch zwischen ihr und Cal zu sein, was sie nicht leugnen kann. So deutet sich zwar ein Liebesdreieck an, jedoch überschattet dieses nicht die wesentliche Bestandteile der Handlung. Im Zentrum der Geschichte steht Mare und ihre besondere Fähigkeit.

Zwischendurch habe ich mir immerwieder die Frage gestellt, in welches Genre ich dieses Buch einteilen würde. Für mich sind Merkmale einer Dystopie erkennbar, jedoch ist der Fantasy Anteil einfach zu hoch, als dass es eine echte Dystopie sein kann. Es wirkt wie eine Mischung aus der Welt von Game of Thrones und den Charakteren von X-Men.

Was sehr für eine Dystopie spricht, ist die Rebellion gegen das Machtgefüge der Silbernen. Unter den Roten formiert sich eine Allianz, welche sich die Scharlachrote Garde nennt und welche mich doch sehr an den Widerstand in „Die Tribute von Panem“ erinnert. Jedenfalls bekommt man ein ähnliches Feeling beim Lesen.

Ich bin in jedem Falle gespannt wie es weitergeht, da mich das Ende des ersten Bandes doch sehr geschockt hat. Mare ruft sich im Laufe der Geschichte immer wieder ihren Leitsatz „Jeder kann jeden verraten“ ins Gedächtnis und dieser bewahrheitet sich am Ende auf bitterste Weise. Ich habe mit Mare auf jede erdenkliche Art mitgelitten, aber im Endeffekt ist es doch genau das, was wir lesen wollen! Aus meiner anfänglichen Ablehnung resultierte jedenfalls ein Kauf des Buches und ich freue mich schon sehr darauf, mich auch von dem Folgeband überzeugen zu lassen.

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